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2026 – Zum internationalen Frauenmotorradtreffen nach Estland

Schon seit Anfang des Jahres planen Gabi, Andrea und ich unsere gemeinsame Fahrt nach Valgeranna in Estland. Ganze zwei Wochen wollen wir uns Zeit nehmen, Polen, Litauen, Lettland und Estland zu durchfahren und kennenzulernen. Unser Ziel ist das internationale Frauenmotorradtreffen der WIMA, dieses Jahr von den Estinnen in ihrem Land organisiert. Gestern Abend ruft mich Gabi an und sagt, dass sie nun doch nicht mitkommen könne. Das ist sehr schade. Also habe ich heute noch viele unserer gebuchten Unterkünfte storniert und geändert. Alle Motorradrouten sind fertig geplant und ich freue mich riesig auf die drei Wochen mit den Mädels.

Tag 1, Sonntag, 19.07.2026 Aufbruchsstimmung. Bis Mittag regnet es noch, dann kann ich starten. Mein heutiges Ziel ist Königs Wusterhausen, ich bin zu Gast bei einer Freundin. Die Landschaft südlich von Berlin begeistert mich zusehends, endlose Kiefernwälder und Seen. Toll. Es wird ein langer Abend mit Christine und Antje. Wer wird Fussballweltmeister? Ich schaffe es nicht mehr und gehe schlafen.

Tag 2, Montag, 20.07.2026 Spanien hat gesiegt. Und heute fahre ich weiter bis Stettin und treffe dort Andrea. Unterwegs erwischen mich der ein oder andere Regenguss, aber ich komme trocken an. In der Location gibt es wirklich gutes Abendessen, Borschtsch mit Knödeln und Pierogi. Gegen 20 Uhr gibt es eine Regenpause, die wir zum Kettesprühen nutzen.

Tag 3, Dienstag, 21.07.2026 Auf dem Weg nach Gdansk. Der Regen ist durchgezogen und das Wetter ist aufgeklart. Um 10 Uhr starten wir auf unsere heutige Tour von 380km nach Gdansk. Auf der Schnellstrasse 20 kommen wir gut voran, zwischendurch verlässt uns das Internet. Irgendwann durchfahren wir die Kaschubische Schweiz und sind kurze Zeit später in Gdansk und checken im WorldHostel Old Town ein. Für unsere Motorräder finden wir gerade noch einen Platz in zwei Lücken. Nach kurzer Dusche und Fehlerbehebung am Handy machen wir noch einen abendlichen Stadtrundgang durch Gdansk.

Tag 4, Mittwoch, 22.07.2026 Heute bleiben die Motorräder stehen und wir machen uns auf, die Old Town von Danzig zu erkunden. Dazu gehören der Lange Markt, die Frauengasse, die Marienkirche, die Hafenpromenade, das Museum des II. Weltkrieges. Irgendwann am frühen Abend sind wir fusslahm und kehren ins Hostel zurück. Auf der Terasse gibt‘s noch einen Salat zum Abendessen, dann lassen wir den Tag ausklingen.

Tag 5, Donnerstag , 23.07.2026 Auf dem Weg in die Masuren. Gerade fahren wir um 10Uhr vom Hostel los, da schüttet es wie aus Eimern. Der Weg führt uns südlich aus Danzig nach Malbork und danach zum Oberländer Kanal bei Elblag. Später sind wir in Olsztyn und dann geht’s auf der Schnellstrasse direkt nach Mikolajki. Wir checkrn ein und machen uns auf den Weg zum Restaurant.

Tag 6, Freitag, 24.07.2026 Eine Runde durch die Masuren. Zuerst steht heute die Wolfsschanze bei Rastenburg auf dem Programm. Ich war dort im Jahr 1987 schon einmal, aber in den fast 40 Jahren hat sich viel verändert. Es sind deutlich mehr Bunker befestigt und dokumentiert, die Besucher werden mit Audioguide sicher durch die Anlage geschleust, in einigen alten Häusern sind Zeitdokumente aufgebaut. Es ist richtig gut gemacht und der Besuch hat sich gelohnt. Als nächstes sind wir nach Warnikajmy gefahren, die einzige Strasse im Dorf führt direkt am ehemaligen Haus meiner Familie bis zur Flucht 1945 vorbei. Natürlich musste ich ein Foto machen. Danach sind wir südlicher gefahren, vorbei am Flüsschen Krytynia, genau dort, wir im Sommer 1995 mit den Faltbooten in den Masuren paddeln waren. Es war so schön, sich an all die vergangenen Zeiten zu erinnern. Und die Landschaft in den Seengebieten ist so wunderbar. Kaum, dass uns mal ein anderes Auto begegnete. Erst 20Uhr waren wir zurück an unserer Unterkunft. Was für ein schöner Tag.

Tag 7, Samstag, 25.07.2026 Weiter durch die Suwalki-Lücke. Die Zeit in Mikolajki war wirklich toll, aber nun geht es weiter nach Vilnius. Zuvor schlendern wir noch zur Wasserburg Trakai. Die Burg Trakai ist eine spätmittelalterliche Wasserburg und zählt zu den brkanntesten Sehenswürdigkeiten in Litauen. Heute ist ein grosser Anteil Schnellstrasse dabei und eine Stunde Zeitverschiebung, trotzdem kommen wir erst 20Uhr in unserer Herberge in Vilnius an.

Tag 8, Sonntag, 26.07.2026. Ein Tag in Litauens Hauptstadt. Erst einmal frühstücken, an einem Sonntagmorgen entsprechend spät. Dann erstürmen wir die Stadt. Unzählige Kirchen, Sanktuarien, Kapellen, Türme, Tore usw. gibt es zu bestaunen. Dann machen wir uns auf ins Stadtviertel der Freien Republik Uzupis. Aus Spass haben die Uzupis Bewohner 1997 (natürlich am 1. April) die Freie Republik Uzupis ausgerufen. Seitdem gibt es eine Verfassung, einen Präsidenten, eigene Pässe und sogar eine eigene Armee. Die wurde aber wieder abgeschafft, weil keiner Angst vor ihr hatte. Am Abend sind wir noch auf den Gediminas- Turm hochgelaufen und haben die Stadt bei Nachtbeuchtung bewundert.

Verfassung der Freien Republik Uzupis

Tag 9, Montag, 27.07.2026 Wir kommen nach Lettland. Unsere Strecke führt heute über kleine Strassen nach Lettland bis fast an die weissrussische Grenze. Nachdem wir die ersten 8km im Nieselregen über eine Waschbrettpiste gefahren sind, haben wir beschlossen, unbefestigte Strassen zu meiden, insbesondere, weil es heute immer mal regnet zwischendurch und der Untergrund dadurch ziemlich rutschig ist. Heute sehen wir viel Wald, wir sind in einer gering bewohnten Region unterwegs und müssen schon auf Tankstellen achten. Gegen 17Uhr kommen wir bei dem Anwesen an und staunen über die schiere Grösse. Die Lielbornes Muiža (deutsch früher Groß-Born) ist eines der schönsten und geschichtsträchtigsten Herrenhäuser im Südosten Lettlands. Heute Abend bekommen wir ein 3-Gänge-Menü.

Tag 10, Dienstag, 28.07.2026 Heute ist es spät geworden, erst gegen halb elf starten wir in Richtung Gauja-Nationalpark in Lettland. Und wir bleiben heute trocken, wie wunderbar. Weil wir gestern mehrfach umgekehrt sind, als wir vor einer Schotterstrasse standen, haben wir heute alle Strassen auf unserer Strecke auf Regionalstrassen (P-Strassen) verlegt. In nur 4 Stunden sind wir die 270km bis Amatciens gefahren und relaxen nun auf der Terasse von Haus Dzeni vor dem See unseres Anwesens für einen Abend.

Tag 11, Mittwoch, 29.07.2026 Durch den Gauja N.P. nach Estland. Der Nationalpark ist landschaftlich wie erwartet sehr schön. Schnell sind wir die Strecke bis zur Grenze nach Estland gefahren und ebenso bis Tartu. Danach machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Tartu ist eine sehr schöne Studentenstadt und nach der Bedichtigung des Doms und des Universitätsgeländes sitzen wir noch am Wasser und genießen einen Absacker.

Tag 12, Donnerstag, 30.07.2026 Tallinn, wir kommen Heute Morgen kommen wir erstmal nicht los, fremde Autos blockieren die Hofzufahrt vom Hotel. Das wird dann aber schnell gelöst. Vom Der Peipussee ist gesetzt, da müssen wir zumindest am Ufer anschlagen. Und kurz danach entdecken wir noch zwei kleine, aber feine Kirchen. Es ist sonnig bei 25 Grad und als wir 17 Uhr in Tallinn an FAT Magareth‘s Hostel ankommen, sind wir ganz schön durchgeschwitzt. Auspacken, Duschen, Essen gehen. Mitternacht sind wir endlich im Bett.

Tag 13, Freitag, 31.07.2026 Für heute ist die erste Erkundung von Tallinn geplant. Andrea will in die Altstadt, ich möchte an den Hafen. So gehen wir heute einzeln auf Stadtbesichtigung und sind 18Uhr am Rathaus zum Abendessen verabredet. Das Wetter ist ganz wunderbar, 26 Grad und sonnig, fast zu warm, aber am Hafen geht die ganze Zeit ein bisschen Wind.

Zuerst gehe ich zur alten Patarei-Ruine Es war in früheren Zeiten eine russische Seefestung, ab 1920 zur ersten Unabhängigkeit Estlands das Zentralgefängnis, in dem auch politische Gefangene inhaftiert waren. Kommunisten wurden in der unabhängigen Republik Estland verfolgt, weil die Kommunistische Partei verboten war und enge Verbindungen zur Sowjetunion bestanden. Aber auch Gegner des autoritären estnischen Regimes, etwa Mitglieder der rechtsgerichteten Vaps-Bewegung, wurden in den 1930er Jahren inhaftiert. 1940 besetzte und annektierte die Sowjetunion Estland. Patarei wurde nun dem sowjetischen NKWD unterstellt. Aus dem Gefängnis wurde ein wichtiges Instrument der politischen Repression. Estnische Polizisten, Beamte, Militärangehörige, Politiker und andere Menschen, die als Gegner der sowjetischen Herrschaft betrachtet wurden, wurden verhaftet. Viele wurden später in den Gulag deportiert oder 1941 getötet. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Estland 1941 von deutschen Truppen besetzt. Auch die Deutschen verwendeten Patarei als Gefängnis. Dort wurden unter anderem Kommunisten, Widerstandskämpfer und politische Gegner festgehalten. Besonders erschütternd ist, dass auch Juden aus anderen Ländern nach Patarei gebracht wurden. Im Herbst 1944 besetzte die Rote Armee Estland erneut. Und damit änderte sich auch die Funktion von Patarei wieder: Es wurde erneut ein sowjetisches Gefängnis. Nun traf es vor allem Esten, die gegen die sowjetische Herrschaft standen oder als solche verdächtigt wurden. Patarei wurde zu einem der Orte, die in Estland bis heute mit NKWD, KGB, Verhören, politischen Gefangenen, Deportationen und Hinrichtungen verbunden werden. Das Gefängnis blieb sogar nach der Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit 1991 noch in Betrieb. Erst 2002 wurde es endgültig geschlossen. Derzeit wird ein Museum vorbereitet, dessen Ausstellung im Juni 2027 eröffnet.

Anschließend schlendere ich zum estnischen Meeresmuseum (Lenusadam) und werfe einen Blick auf die historischen Schiffe.

Noch ein kurzer Stop am Port Noblesser, dann mache ich mich auf den Weg zum Strand zurück und sitze gemütlich noch eine Stunde im Schatten.

Tag 14, Sonnabend, 01.08.2026 Eine Runde durch den Laheema N.P. Im Hostel FAT Margareth gibt es für jeden Übernachtungsgast zum Frühstück eine Waffel. Man muss sich diese selbst backen, der Teig wird bereitgestellt. Aus diesem Grund ist in der Küche am Morgen ziemlich viel Betrieb. Kaffe gibt es am Automaten mit Kreditkarte, ansonsten macht sich jeder sein Frühstück selbst. Wie in jeder Jugendherberge quillen die Kühlschränke fast über vor Lebensmitteln aller Art von allen Gästen. Nach einer Waffel und Kaffee starten wir heute um 11Uhr auf die Runde durch den Laheema N.P. Es ist wirklich die schönste Strecke auf der ganzen Reise bisher. Zuerst halten wir an einem wunderschönen Strand, dann ein Leuchtturm, wieder ein Strand, ein Cafe, und zu guter Letzt will mich calimoto mitten auf der Schnellstrasse bei 110km/h die Richtung über die Mittelleitplanke wechseln lassen. Wie gefährlich. Natürlich fahren wir eher die 8km Umweg bis zur nächsten Auffahrt, als solch eine gefährliche Aktion mitzumachen. Dann fahren wir zügig über die Schnellstraße zurück, kaufen noch im Supermarkt zum Abendessen ein und sind 19Uhr am Hostel zurück. Mit Decke, Wein und Salat bepackt schlendern wir zum Strand und sitzen zum Sonnenuntergang bis fast Mitternacht am Wasser. Was für ein schöner Tag.

Tag 15, Sonntag, 02.08.2026 Für heute haben die Estländerinnen eine historische Stadtführung für die WIMA-Frauen organisiert. Wir kommen pünktlich 13Uhr zum Treffpunkt und ich kann meine Wimpelkette an Gerli übergeben. Danach trenne ich mich von den Frauen und unternehme meine eigene Stadterkundung. Ich will noch auf den Domberg und nochmal durch die Innenstadt schlendern. Bei dem Lärmpegel in der Stadt und auf Englisch würde ich von der Führung eh nichts verstehen. Gerade sitze ich im Eiscafe bei einem Affogato.

Tag 16, Montag, 03.08.2026 Die WIMA-Rallye beginnt. Am Morgen frühstücken wir mit den beiden Mädels aus Austria, die ebenfalls hier im Hostel untergekommen sind, Claudia und Gea. Dann machen wir uns gemütlich auf den Weg nach Pärnu, Valgeranna. Immer mehr Motorräder begegnen uns kurz vorm Ziel. Dann beginnt das große Wiedersehen. Urarmungen auf allen Seiten. 253 Frauen sind angereist. Das erfahren wir beim Welcome-Dinner. Unsere Hütte ist bezogen, gleich startet die Disco.

Tag 17, Dienstag, 04.08.2026 Heute ist ein entspannter zum Ausruhen, Baden, Hörbuchhören. Von den Estinnen wird eine Motorradausfahrt angeboten, aber ich liege heute einfach mal am Strand. Leider ist auf der Ausfahrt eine deutsche Bikerin verunglückt, liegt nun mit Schlüsselbeinbruch im Krankenhaus. Am Abend dann gibt es noch ein wenig Folklore.

Tag 18, Mittwoch, 05.08.2026 Für heute ist die Parade geplant, es soll 10 Uhr losgehen. Ich entscheide mich kurz vorher spontan dagegen, teilzunehmen. Deshalb habe ich den wunderbaren Strand direkt vor der Unterkunft heute fast ganz allein für mich. Mit der selbstgebauten Sonnenschutzkonstruktion lässt es sich aushalten in der Sonne. Am Nachmittag findet dann die Vollversammlung der WIMA Deutschland statt. Wir wählen wieder den bisherigen Vorstand. Danach noch einen Cappuchino auf der Terrasse der Villa Andropow und dann beginnt die Trash-Night. Eine tolle Party, erst Mitternacht bin ich im Bett.

Tag 19, Donnerstag, 06.08.2026 Schon früh um 7 Uhr starten die Busse mit den Ausflüglern zur Insel Kihnu. Ich drehe mich nochmal im Bett um. Um halb Zehn muss ich zum Frühstück, das gibt es nur bis Zehn. Danach unternehme ich eine Strandwanderung. Währenddessen ziehen Wolken auf. Auf dem Platz unter den Kiefern zieht eine träge Ruhe ein.

Tag 20, Freitag, 07.08.2026 Es ist der letzte volle Tag in Valgeranna bei der WIMA. Heute unternehme ich mit Fokje eine Motorradtour nach Haapsalu, insgesamt 130 km. Die Hinfahrt gestaltet sich einfach, wir müssen wirklich zwei Mal abbiegen, bevor wir in der Stadt sind. In Haapsalu gibt es die mittelalterliche Bischofsburg, das Wahrzeichen der Stadt, zu sehen . Außerdem Rathaus und Domkirche und die Uferpromenade mit historischem Kursaal. Danach sind wir erst einmal zu Mittag eingekehrt und haben auf dem Rückweg am Bahnhof gehalten. Das historische Bahnhofsgebäude mit seinem aussergewöhnlich langen überdachten Bahnsteig erinnert daran, dass hier einst sogar der russische Zar ankam. Während der 130 km Rückweg haben wir einen Regenguss erwischt. Am Abend steigt dann das große Abschiedsdinner.

Tag 21, Sonnabend, 08.08.2026 Heute ist der Tag der Abreise. Auf dem Platz herrscht hektisches Treiben. Zelte abbauen, Hütten freiräumen, Motorräder bepacken, alles braucht seine Zeit. Und natürlich die Verabschiedungen. Als wir endlich loskommen, ist es 10:15 Uhr und eine Regenfront zieht in der Ferne heran. Natürlich erwischt uns der Regen noch in Pärnu, aber irgendwann auf der Autobahn, die in den baltischen Ländern als Schnellstrassen ausgebaut sind, ist es vorbei. Einen kurzen Kaffeestop in Saulkrasti und schon sind wir im Anflug auf Riga. Hier sind wir um 17 Uhr mit Anja und Uschi am Radisson BLU verabredet, um gemeinsam in der Sky Bar im 26.Stock ein Getränk zu nehmen und dabei den Blick über die Stadt zu genießen. Es ist atemberaubend , zum Sonnenuntergang über die Stadt zu schauen. Anschließend gehen wir noch zusammen Abendessen.

Tag 22, Sonntag, 09.08.2026 Sightseeing in Riga. Wir beginnen den Sonntagmorgen mit einem Frühstück in einem nahegelegenen Restaurant in der Sonne mit Blick auf die St. Petri Kirche, das Wahrzeichen der Altstadt. Hier beginnt mein Stadtrundgang zu allen wichtigen Gebäuden der Stadt, Schwarzhäupterhaus, Petrikirche, Dom, Drei Brüder, Pulverturm, Schwedentor, Zentralmarkt, Freiheitsdenkmal, die grosse und die kleine Gilde. Ich lerne, Riga hat in seiner 825jährigen Geschichte fünf unterschiedliche Schichten erlebt:

Mittelalter (13.-15.JH: Riga wird deutschgeprägte Hansestadt, evangelisch und kommt unter die Herrschaft des polnisch-litauischen Staates ),

Schwedenzeit (1621: Schweden erobert Riga und die Stadt wird zu einer wichtigen Festung des schwedischen Reiches)

Russische Zeit (1710: im grossen nordischen Krieg erobert Peter der Große Riga)

19. Jahrhundert (Riga wird industrialisiert, immer mehr Letten und Russen ziehen in die Stadt, die deutschsprachige Elite wird eine Minderheit. Der erste Weltkrieg zerstört die alte Ordnung, aus der deutsch geprägten Handelsstadt wird die Hauptstadt des neuen lettischen Nationalstaates)

Heute (1940 bis 1991, die Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Riga erlebt innerhalb weniger Jahre gleich mehrere Herrschaftswechsel. 1940 russische Besetzung, 1941 deutsche Besetzung, 1944 Rückkehr der Sowjetunion. Nach dem Krieg wird Riga Teil der Sowjetunion. Viele Menschen aus anderen Sowjetrepubliken ziehen nach Riga, insbesondere aus Russland, Belarus und der Ukraine. 1991 wird Lettland wieder unabhängig. Die Gebäude von Riga erzählen beim Spaziergang, wer hier jeweils die Macht hatte.

Tag 23, Montag, 10.08.2026 Ich bin krank, es gibt also nicht viel zu erzählen. Liege mit Halsschmerzen, Schnupfen und Migräne flach und versuche, mich mit Tee und Ibuprofen auszukurieren. Zumindest haben wir gestern Abend noch die Motorräder umgeparkt, weil wir sonst heute Morgen ab 7Uhr im Parkverbot stehen würden.

Tag 24, Dienstag, 11.08.2026 Heute morgen geht es mir wieder besser. Ab heute bin ich allein unterwegs, Andrea fährt auf anderen Strassen nach Klaipeda zur Fähre. Heute habe ich zwei meiner Wünsche erfüllt, den Berg der Kreuze anschauen und auf die Kurische Nehrung fahren.

Der Berg der Kreuze ist einer der ungewöhnlichsten und geschichtlich bedeutendsten Orte Litauens. Heute stehen dort mehr als 200.000 Kreuze, große und winzige Holzkreuze, Rosenkränze, Heiligenfiguren und persönliche Erinnerungsstücke. Die Kreuztradition begann wahrscheinlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Überlieferung verbindet die ersten Kreuze mit den Opfern der Aufstände von 1831 und besonders 1863 gegen die russische Zarenherrschaft. Andere Erzählungen berichten von Menschen, die dort Kreuze aufstellten, um für Heilung, Gesundheit oder die Erfüllung eines Wunsches zu beten. Nach der sowjetischen Besetzung Litauens wurde das Aufstellen von Kreuzen verboten. Der Berg war für die Sowjetmacht nicht einfach nur ein religiöser Ort, sondern zunehmend ein Symbol des Widerstands. Die Behörden ließen den Berg mehrfach mit Bulldozern abräumen – besonders 1961, 1973 und 1975. Tausende Kreuze wurden zerstört. Pilger wurden kontrolliert, verfolgt und teilweise bestraft. Und dann geschah etwas, womit die Sowjets offenbar nicht gerechnet hatten: Die Menschen stellten immer wieder neue Kreuze auf. Oft kamen sie nachts und brachten heimlich neue Kreuze. Wurde der Berg abgeräumt, standen kurze Zeit später wieder Kreuze dort. Genau dadurch wurde der Berg zu einem Symbol des gewaltlosen Widerstands: Die Menschen konnten ihre Religion und ihre nationale Identität nicht öffentlich leben – aber sie ließen sich das Aufstellen eines Kreuzes nicht nehmen. Am 7. September 1993, nur wenige Jahre nach der Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit, besuchte Johannes Paul II. den Berg der Kreuze. Der Berg ist nicht deshalb berühmt, weil dort so viele Kreuze stehen. Er ist berühmt, weil die Menschen immer wieder neue Kreuze aufstellten, obwohl eine Staatsmacht versuchte, genau das zu verhindern. Dadurch wurde aus einem religiösen Ort ein Symbol für Glaube, Freiheit und Widerstand. 

Die Stele auf der Pernidis-Düne ist der Schattenzeiger einer riesigen Sonnenuhr mit Kalender. Sie gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Parnidis-Düne. Die Anlage wurde 1995 errichtet. Die steinerne Stele ist 13,8 Meter hoch und steht auf einer kreisförmigen Anlage. Ihr Schatten zeigt auf die Stundenmarkierungen. 1999 wurde die Anlage vom Hurrikan Anatolij schwer beschädigt. Der Sturm brach den oberen Teil der Granitstele ab. Man kann die Stelle der Bruchkante an der heutigen Stele noch erkennen. Sie wurde anschließend wiederaufgebaut und 2011 vollständig rekonstruiert. Von dieser Düne aus kann man in Litauen sowohl die Sonne über dem Wasser aufgehen als auch über dem Wasser untergehen sehen – morgens über dem Kurischen Haff, abends über der Ostsee. 


Tag 25, Mittwoch 12.08.2026 Die Übernachtung im ComfortHostel Klaipeda für kleines Geld ist empfehlenswert. Bei tollem Motorradwetter mit Sonne um die 22 Grad fuhr ich heute wieder nach Polen rein. Dabei bin ich ziemlich nah an Russlands Enklave Kaliningrad vorbeigekommen. Aber immer auch die Regenwolken in der Nähe umfahren. Jetzt gilt es noch ein paar Tage, Polens Natur im Osten zu erkunden.

Jedenfalls ist heute meine Runde durch die baltischen Staaten geschlossen.

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Tag 26, Donnerstag, 13.08.2026 Ab heute begleitet mich Micha die nächsten sieben Tage. Als ich gestern in Suwalki ankam, winkte er schon an der Strasse, war kurz vor mir angekommen. Heute fahren wir an der Grenze zu Belarus entlang nach Süden. Mein Highlight ist heute der Białowieża-Nationalpark. Der Wald von Białowieża ist ein Überbleibsel jener riesigen natürlichen Wälder, die früher große Teile Europas bedeckten. Hier gibt es noch Bereiche, in denen Bäume umfallen, liegen bleiben und verrotten dürfen, ohne dass der Mensch sie entfernt. Białowieża ist eines der letzten Rückzugsgebiete des Wisents. Im gesamten UNESCO-Gebiet gibt es ungefähr 900 Wisente, Białowieża beherbergt damit die bedeutendste Population dieser Art. Natürlich haben wir keinen Wisent gesehen. Hatte ich auch nicht erhofft, aber ich will zu Białowieża Towarowa, dem alten Wirtschaftsbahnhof der Zarenresidenz. Und hier steht auch ein alter Zug dauerhaft am historischen Bahnhof – er fährt nicht mehr als Museumszug durch den Wald. Es gibt vier restaurierte Salonwagen, die jeweils als eigenständige Apartments eingerichtet sind. Das Spannende ist: Die vier Wagen stehen zusammen mit einer historischen Dampflokomotive als kompletter Zugverband am Bahnsteig. Natürlich mussten wir mitten auf den alten Gleisen unseren Kaffee trinken. Und wir sind der Grenze zu Belarus ziemlich nahe gekommen und das auch noch auf einer unbefestigten Waschbrettpiste. Ging nicht anders, der Weg zurück wäre zu weit gewesen.

Tag 27, Freitag, 14.08.2026 Heute geht es weiter strikt nach Süden, östlich an Lublin vorbei. So war es geplant, aber irgendwie hat uns das Navi dann direkt durch die Stadt geführt, bei 28 Grad, ein Graus.
Zumindest bei unserem Start heute Morgen hatten wir noch ein schönes Erlebnis. Ganz in der Nähe unserer Unterkunft befindet sich einer der bedeutendsten orthodoxen Wallfahrtsheiligtümer in Polen, Świeta Góra Grabarka. Dort stehen auf dem bewaldeten Hügel Tausende von Holzkreuzen. Die Geschichte dahinter hängt mit einer Choleraepidemie um 1710 zusammen. Weil ich gerade vor drei Tagen am Berg der Kreuze in Šiauliai in Litauen gewesen bin, kann ich die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede hautnah spüren. Bei beiden handelt es sich um Wallfahrtsorte auf einem Hügel, auf denen Gläubige Kreuze aufstellen. In beiden Fällen sind die Kreuze Ausdruck von Gebet, Hoffnung, Dankbarkeit und Gedenken. Pilger bringen ein Kreuz mit, stellen es auf und verbinden damit meist eine persönliche Bitte oder Erinnerung. Der Unterschied zwischen Beiden liegt in der Entstehungsgeschichte.

Tag 28, Sonnabend, 15.08.2026 An diesem Wochenende wird gefeiert, heute ist katholischer Feiertag, Maria Himmelfahrt. Hier tief im Südosten Polens sind 80% der Menschen gläubig. Dies findet seinen Ausdruck in den vielen verschiedenen Kirchen, in denen heute die Gottesdienste abgehalten werden. Wir begegnen auch einigen Wallfahrtszügen, zu Fuß oder auf Traktoren im Anhänger, Lieder singend. Unsere heutige Route führt durch den Gebirgszug der Beskiden in den Waldkarpaten. Wir kommen ziemlich nahe an die ukrainische Grenze heran, ehe wir Richtung Slovakei fahren. Unterwegs sehen wir auch viele Holzkirchen der Lemken und Bojken und anderer Bevölkerungsgruppen. Auf den nördlichen Strecken ist wenig Verkehr, weiter südlicher treibt es die Touristen um. Und sehr viele Motorradfahrer sind unterwegs. Auf jeden Fall wäre ein Wochentag für diese schöne Tour die bessere Wahl gewesen, aber die wunderbare Natur hat uns entschädigt. Auf der Zielgeraden schafft das Thermometer dann die Temperatur von 32 Grad.

Tag 29, Sonntag, 16.08.2026 Jetzt weiss ich es. Polen ist kein Land zum Motorradfahren. Gestern waren schon Unmengen an Motorradfahrern unterwegs auf der einzig kurvigen Strasse, dazu noch die Urlaubstouristen, es war nicht mehr schön. Aber heute wurde das Ganze noch getoppt. Ab Mittagg ging nichts mehr, in den Kreisverkehren Stau von allen Einfahrten, Stau in den Städtchen und dichter Autoverkehr auf den schattigen kleinen Bergstrassen. Wir sind früh los und hatten noch 2 Stunden tolle leere Strassen mit einem tollen Bergpanorama auf die Hohe Tatra, danach machte es keinen Spaß mehr bei Temperaturen bis 37 Grad. Selbst das für heute auserkorene Kulturdenkmal Zamek Czorszstyn ließen wir einfach an der Strecke.

Tag 30, Montag, 17.08.2026 Die Erwartungshaltung an die Strecken hier in Polen ist nun minimal. Deshalb ist Calimoto heute nicht auf kurvige Strecken eingestellt, sondern auf schnell ohne Autobahn. Heißt eigentlich, wir fahren Fernverkehrsstraßen. Und merken dann schon nach kurzer Zeit, das geht hier überhaupt nicht. Da schleichen wir hinter den LKW und vielen PKW durch die Ortschaften, ganz schlimm. Dann stellen wir Calimoto auf kurvig um und schon läuft es. Aber wir sind auch abseits jegliches Touristenzieles unterwegs, sonst wäre es wie gestern. Also kurven wir noch schöne 200km Strecke bei 28 Grad und schaffen es vor dem großen Gewitter gerade ins Gasthaus.

Warten, dass der Regen nachlässt

Tag 31, Dienstag, 18.08.2026 Der letzte Fahrtag ist angebrochen, es geht heimwärts. Heute nochmal schöne Strecken mit Blick auf die Schneekoppe. Den letzte Stopp haben wir dann in der Mühlenbäckerei in Schmilka gemacht, wie immer, wenn die Route durch die hintete sächsische Schweiz führt. Um 16 Uhr rollen wir dann pünktlich in den Carport ein.